Jeder Energieausweis enthält Empfehlungen zur energetischen Verbesserung. Erfahren Sie, wie Sie diese richtig lesen, welche Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge Sie sanieren sollten.
von Steffen Rommel
Zertifizierter Energieberater
Seit dem GEG muss jeder Energieausweis Empfehlungen zur kostengünstigen Modernisierung enthalten (Seite 4 und 5).
Die Empfehlungen sind Hinweise, keine Anordnungen. Sie als Eigentümer entscheiden, ob und wann Sie Maßnahmen umsetzen.
Die Empfehlungen zeigen Ihnen einen sinnvollen Sanierungsweg auf und helfen, Förderungen gezielt zu nutzen.
Modernisierungsempfehlungen sind ein fester Bestandteil jedes Energieausweises. Sie werden vom Aussteller auf Basis der Gebäudedaten erstellt und zeigen konkrete Maßnahmen auf, mit denen die energetische Qualität des Gebäudes verbessert werden kann.
Die Modernisierungsempfehlungen finden sich auf den Seiten 4 und 5 des Energieausweises. Seite 4 enthält kostengünstige Einzelmaßnahmen, Seite 5 kann ein umfassenderes Sanierungskonzept enthalten.
Die Empfehlungen werden vom ausstellenden Energieberater auf Grundlage der Gebäudeanalyse formuliert. Je detaillierter die Gebäudedaten, desto aussagekräftiger die Empfehlungen.
Gut zu wissen: Beim Bedarfsausweis sind die Empfehlungen in der Regel aussagekräftiger als beim Verbrauchsausweis, da hier die Gebäudesubstanz detailliert analysiert wird.
Die Empfehlungen im Energieausweis folgen einem einheitlichen Aufbau. Um den größten Nutzen daraus zu ziehen, sollten Sie wissen, worauf Sie achten müssen.
Die Empfehlung benennt das betroffene Bauteil, z.B. Außenwand, Dach, Fenster, Kellerdecke oder Heizungsanlage. So wissen Sie sofort, an welcher Stelle des Gebäudes Handlungsbedarf besteht.
Die konkrete Sanierungsmaßnahme wird beschrieben, z.B. Aufbringen eines WDVS, Austausch der Fenster oder Einbau einer Wärmepumpe. Teilweise werden auch empfohlene Dämmstärken oder U-Werte angegeben.
Je nach Aussteller können Angaben zu geschätzten Kosten und erwarteter Energieeinsparung enthalten sein. Diese Werte sind Richtwerte und können je nach Gebäude und Ausführung abweichen.
Nicht jede Maßnahme lohnt sich sofort. Die Wirtschaftlichkeit hängt von Investitionskosten, Energieeinsparung und der Nutzungsdauer ab. Hier ein Überblick der häufigsten Empfehlungen.
Richtwerte für ein typisches Einfamilienhaus (150 m²)
Investition
20.000-35.000 €
Einsparung/Jahr
800-1.500 €
Amortisation
15-25 Jahre
Investition
15.000-25.000 €
Einsparung/Jahr
400-800 €
Amortisation
18-30 Jahre
Investition
15.000-30.000 €
Einsparung/Jahr
1.000-2.000 €
Amortisation
10-18 Jahre
Investition
10.000-20.000 €
Einsparung/Jahr
500-1.000 €
Amortisation
12-20 Jahre
Investition
2.000-5.000 €
Einsparung/Jahr
200-400 €
Amortisation
8-15 Jahre
Alle Werte sind Richtwerte. Die tatsächlichen Kosten hängen von Gebäudegröße, Zustand und regionalen Preisen ab.
Tipp: Die Amortisationszeiten verkürzen sich durch Fördermittel von KfW und BAFA erheblich. In vielen Fällen werden 20-45 % der Investitionskosten bezuschusst.
Die Reihenfolge der Maßnahmen ist entscheidend für den Erfolg. Wer zuerst die Heizung tauscht und dann dämmt, hat möglicherweise eine überdimensionierte Anlage. Deshalb gilt: von außen nach innen.
Beginnen Sie mit der Dämmung von Dach, Fassade und Kellerdecke. So reduzieren Sie den Wärmebedarf des Gebäudes deutlich. Erst wenn feststeht, wie viel Energie das Haus noch benötigt, kann die passende Heizung gewählt werden.
Tauschen Sie alte Fenster und Außentüren gegen moderne Dreifachverglasung. Wichtig: Fenster und Fassadendämmung sollten aufeinander abgestimmt werden, um Wärmebrücken und Schimmelbildung zu vermeiden.
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Erst jetzt macht der Heizungstausch Sinn. Nach Dämmung und Fenstertausch ist der Wärmebedarf deutlich geringer, und die neue Heizung kann passend dimensioniert werden. Wärmepumpen, Pelletheizungen oder Brennwertkessel sind gängige Optionen.
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Bei einem gut gedämmten Gebäude wird eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung empfohlen. Ergänzend können Photovoltaik oder Solarthermie den Restenergiebedarf weiter senken.
Praxis-Tipp: Nicht alle Maßnahmen müssen auf einmal umgesetzt werden. Viele Eigentümer sanieren schrittweise über mehrere Jahre und nutzen so die jährlichen Fördertöpfe optimal aus.
Die Qualität der Modernisierungsempfehlungen unterscheidet sich je nach Ausweisart deutlich. Hier sehen Sie die wichtigsten Unterschiede.
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