Was bedeuten die Buchstaben auf dem Energieausweis? Erfahren Sie, welche Klasse Ihr Gebäude hat, was typisch für verschiedene Baujahre ist und wie viel Sie durch Sanierung sparen können.
von Steffen Rommel
Zertifizierter Energieberater
Die Skala reicht von A+ (sehr effizient, unter 30 kWh/m²a) bis H (sehr ineffizient, über 250 kWh/m²a).
Seit dem 1. Mai 2014 müssen alle neu ausgestellten Energieausweise für Wohngebäude die Effizienzklasse ausweisen.
Zwischen Klasse H und A+ liegen Energiekosten-Unterschiede von mehreren tausend Euro pro Jahr.
Energieeffizienzklassen ordnen Wohngebäude anhand ihres Endenergiebedarfs oder -verbrauchs in eine Skala von A+ bis H ein. Sie funktionieren ähnlich wie das Energielabel bei Haushaltsgeräten und machen den energetischen Zustand eines Gebäudes auf einen Blick vergleichbar.
Die Effizienzklassen sollen Mietern und Käufern eine schnelle Orientierung über den energetischen Zustand eines Gebäudes geben. So können Energiekosten besser eingeschätzt und Immobilien miteinander verglichen werden.
Die Klasse ergibt sich aus dem Endenergiekennwert in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a). Dieser Wert wird auf der Farbskala des Energieausweises abgelesen und der entsprechenden Klasse zugeordnet.
Gut zu wissen: Die Energieeffizienzklassen gelten nur für Wohngebäude. Bei Nichtwohngebäuden (Gewerbe, Büro) werden keine Effizienzklassen auf dem Energieausweis angegeben.
Die Skala umfasst neun Effizienzklassen von A+ (bestmöglich) bis H (am schlechtesten). Je niedriger der Energiekennwert, desto besser die Klasse und desto geringer die Heizkosten.
30 kWh/m²a
Höchste Effizienz. Typisch für Passivhäuser und Neubauten mit exzellenter Dämmung, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und erneuerbarer Energieversorgung. Sehr geringe Heizkosten.
50 kWh/m²a
Sehr hohe Effizienz. Typisch für energieeffiziente Neubauten und umfassend sanierte Bestandsgebäude. Moderne Wärmepumpe oder Pelletheizung, sehr gute Dämmung.
75 kWh/m²a
Hohe Effizienz. Typisch für Neubauten nach aktuellem GEG-Standard oder Altbauten nach umfassender energetischer Sanierung mit moderner Heizung und guter Außendämmung.
100 kWh/m²a
Gute Effizienz. Typisch für Neubauten der 2000er-Jahre oder Bestandsgebäude mit teilweiser Sanierung (z.B. neue Fenster und Heizung, aber ohne vollständige Fassadendämmung).
130 kWh/m²a
Mittlere Effizienz. Typisch für Gebäude der 1990er-Jahre oder ältere Häuser mit einzelnen Sanierungsmaßnahmen. Energieverbrauch im akzeptablen Bereich, aber mit Verbesserungspotenzial.
160 kWh/m²a
Unterdurchschnittliche Effizienz. Häufig bei Gebäuden der 1970er- und 1980er-Jahre ohne wesentliche energetische Sanierung. Veraltete Heizungsanlage und einfache Verglasung sind typisch.
200 kWh/m²a
Schlechte Effizienz. Typisch für unsanierte Gebäude aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Häufig ohne Wärmedämmung, mit alten Fenstern und einer veralteten Öl- oder Gasheizung. Deutlich erhöhte Heizkosten.
250 kWh/m²a
Sehr schlechte Effizienz. Typisch für unsanierte Nachkriegsbauten und ältere Gebäude ohne jede energetische Ertüchtigung. Hohe Energieverluste über Dach, Wände und Fenster. Sanierung dringend empfohlen.
250 kWh/m²a
Schlechteste Effizienzklasse. Typisch für unsanierte Altbauten vor 1945, Fachwerkhäuser ohne Dämmung oder Gebäude mit massivem Sanierungsstau. Extrem hohe Energiekosten, umfassende Sanierung wirtschaftlich sinnvoll.
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Das Baujahr eines Gebäudes ist ein guter Indikator für die zu erwartende Effizienzklasse. Je älter das Gebäude und je weniger saniert, desto schlechter fällt die Einstufung in der Regel aus.
Ohne Dämmung, oft mit Einzelöfen oder veralteten Heizsystemen. Massive Wärmeverluste über dünne Wände und Einfachverglasung.
Erste Zentralheizungen, aber kaum Wärmedämmung. Oft dünne Betondecken und großflächige Fensterfronten ohne Isolierung.
Erste Dämm-Anforderungen durch die Wärmeschutzverordnung 1977. Doppelverglasung verbreitet, aber Außenwand-Dämmung oft noch unzureichend.
Verschärfte Anforderungen durch Wärmeschutzverordnung 1995 und EnEV 2002/2007. Moderne Brennwerttechnik, bessere Dämmung und Dreifachverglasung setzen sich durch.
Neubauten nach EnEV 2014/2016 und GEG erreichen mindestens Klasse B. KfW-Effizienzhäuser und Passivhäuser schaffen Klasse A oder A+. Wärmepumpen, Photovoltaik und kontrollierte Wohnraumlüftung sind Standard.
Hinweis: Die genannten Werte sind Durchschnittswerte für unsanierte Gebäude. Durch energetische Sanierung kann ein Altbau deutlich bessere Klassen erreichen – z.B. von Klasse G auf Klasse C oder sogar B.
Die Effizienzklasse hat einen direkten Einfluss auf die jährlichen Heizkosten. Die folgende Übersicht zeigt die ungefähren Energiekosten für ein typisches Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche.
Beispiel: Einfamilienhaus, 150 m², Gasheizung
~450 €
pro Jahr
unter 30 kWh/m²a
~1.700 €
pro Jahr
100–130 kWh/m²a
~4.000+ €
pro Jahr
über 250 kWh/m²a
Differenz A+ zu H: bis zu 3.500 € pro Jahr – das sind über 35.000 € in 10 Jahren.
Die Effizienzklasse beeinflusst den Marktwert einer Immobilie zunehmend. Käufer und Mieter achten verstärkt auf die energetische Qualität – nicht zuletzt wegen steigender Energiepreise.
Lassen Sie vor einem geplanten Verkauf oder einer Vermietung prüfen, ob sich eine energetische Sanierung lohnt. Oft amortisiert sich die Investition durch den höheren Verkaufspreis oder die bessere Vermietbarkeit. Ein aktueller Energieausweis zeigt Ihnen, wo Ihr Gebäude steht und welche Maßnahmen sinnvoll sind.
Finden Sie heraus, welche Effizienzklasse Ihr Gebäude hat. Erstellen Sie Ihren rechtsgültigen Energieausweis online.