Energiekennwerte, Farbskala, Effizienzklassen – was die Zahlen auf Ihrem Energieausweis wirklich bedeuten und wie Sie daraus die richtigen Schlüsse ziehen.
von Steffen Rommel
Zertifizierter Energieberater
Der zentrale Wert in kWh/(m²·a) zeigt, wie viel Energie das Gebäude pro Quadratmeter und Jahr benötigt.
Von Grün (effizient) bis Rot (ineffizient) – die Farbskala macht den energetischen Zustand auf einen Blick sichtbar.
Die Klassen A+ bis H ordnen Gebäude vergleichbar ein – ähnlich wie bei Haushaltsgeräten.
Das Herzstück jedes Energieausweises ist die Farbskala. Sie reicht von dunkelgrün (sehr effizient, Wert 0) bis dunkelrot (sehr ineffizient, Wert über 250) und zeigt mit einem Pfeil den Energiekennwert Ihres Gebäudes an.
Tipp: Ein durchschnittliches Wohngebäude in Deutschland liegt bei etwa 120 – 160 kWh/(m²·a), also im Bereich D bis E. Werte unter 75 kWh/(m²·a) gelten als gut bis sehr gut.
Niedrige Heizkosten, meist unter 5 € pro m² im Jahr. Diese Gebäude verfügen über eine hervorragende Dämmung und effiziente Heizungsanlagen.
Beispiel: 80 m² Wohnung ≈ 300 – 400 € Heizkosten/Jahr
Moderate bis erhöhte Heizkosten, etwa 7 – 12 € pro m² im Jahr. Typisch für ältere Gebäude mit teilweiser Sanierung.
Beispiel: 80 m² Wohnung ≈ 560 – 960 € Heizkosten/Jahr
Hohe Heizkosten, oft über 15 € pro m² im Jahr. Diese Gebäude haben erheblichen Sanierungsbedarf und verursachen hohe Nebenkosten.
Beispiel: 80 m² Wohnung ≈ 1.200 € und mehr Heizkosten/Jahr
Auf dem Energieausweis finden Sie zwei zentrale Kennwerte: den Endenergiebedarf und den Primärenergiebedarf. Beide Werte sagen unterschiedliche Dinge über Ihr Gebäude aus.
Die Energiemenge, die dem Gebäude tatsächlich zugeführt werden muss – also die Energie, die Sie als Bewohner bezahlen. Dieser Wert berücksichtigt die Verluste der Heizungsanlage.
Berücksichtigt zusätzlich die Energieverluste bei Gewinnung, Umwandlung und Transport des Energieträgers. Er bewertet die gesamte ökologische Bilanz.
Der Primärenergiefaktor gibt an, wie viel Primärenergie für eine Einheit Endenergie aufgewendet werden muss. Je niedriger der Faktor, desto umweltfreundlicher der Energieträger.
Rechenbeispiel: Bei einer Gasheizung mit einem Endenergiebedarf von 120 kWh/(m²·a) ergibt sich ein Primärenergiebedarf von 120 × 1,1 = 132 kWh/(m²·a). Mit einer Wärmepumpe und Ökostrom wäre der Primärenergiebedarf deutlich niedriger.
Ein Energieausweis besteht aus mehreren Seiten, die jeweils unterschiedliche Informationen enthalten. So lesen Sie die einzelnen Bereiche:
Hier finden Sie die Grunddaten des Gebäudes: Adresse, Baujahr, Gebäudetyp, Anzahl der Wohneinheiten und die Nutzfläche. Außerdem steht hier, ob es sich um einen Bedarfs- oder Verbrauchsausweis handelt.
Achten Sie auf: Die Registriernummer und das Gültigkeitsdatum. Ein Energieausweis ist 10 Jahre gültig.
Beim Bedarfsausweis werden die Werte auf Basis der Gebäudetechnik berechnet – unabhängig vom Nutzerverhalten. Sie sehen hier den Endenergie- und Primärenergiebedarf sowie die Energieeffizienzklasse auf der Farbskala.
Hinweis: Der Bedarfsausweis ist beim Vergleich von Gebäuden aussagekräftiger, da er nicht vom individuellen Heizverhalten abhängt.
Beim Verbrauchsausweis basieren die Werte auf dem tatsächlichen Verbrauch der letzten drei Jahre. Der Energieverbrauchskennwert wird aus den Heizkostenabrechnungen ermittelt und klimabereinigt dargestellt.
Beachten Sie: Stand eine Wohnung längere Zeit leer, können die Verbrauchswerte verfälscht (zu niedrig) sein.
Mit Klick auf „Video abspielen“ wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt und Daten übertragen. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Hier listet der Aussteller konkrete Vorschläge zur energetischen Verbesserung auf. Diese Empfehlungen sind ein wertvoller Anhaltspunkt für Sanierungsplanungen und können bei Förderanträgen hilfreich sein.
Tipp: Als Käufer können Sie die Modernisierungsempfehlungen nutzen, um die Folgekosten einer Immobilie realistisch einzuschätzen.
Der Energieausweis hilft Ihnen, die zu erwartenden Heizkosten vor Anmietung einer Wohnung einzuschätzen. Je besser die Effizienzklasse, desto niedriger Ihre Nebenkosten.
Neben den laufenden Energiekosten zeigt der Energieausweis auch, welche Sanierungskosten auf Sie zukommen könnten. Eine schlechte Effizienzklasse kann den Kaufpreis relativieren.
Mit dem Energiekennwert aus dem Energieausweis können Sie die ungefähren jährlichen Heizkosten berechnen. Die Formel ist einfach:
Energiekennwert × Wohnfläche × Energiepreis = Heizkosten/Jahr
Diese Rechnung liefert einen Richtwert. Die tatsächlichen Kosten hängen vom individuellen Heizverhalten, dem Energiepreis und den klimatischen Bedingungen ab.
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